Jul 06 2017

Vom Opernstar zur Pornoqueen

15 Jahre lang stand sie auf großen Opernbühnen und verzauberte ihre Zuschauer als Carmen und Cenerontola. Nun verzaubert Adrineh Simonian Frauen – mit Pornos. Ihre Projekte sind ästhetisch und sollen zeigen, was in Menschen wirklich während ihrer sexuellen Annäherungen vorgeht.

Simonian wollte wissen, ob Pornos auch anders sein können. Sie wollte etwas schaffen, dass sich von den typischen Streifen, die nur auf die männliche Befriedigung anzielen, deutlich abgrenzt. Sie fragte sich, warum kann es keine künstlerischen, tiefgehenden aber gleichzeitig hoch erotischen Pornos geben, die auch Frauen ansprechen – und gab sich selbst die Antwort. Die Sängerin verließ die Opernbühne und fing im Filmstudio neu an.

In ihren Videos gibt es keine Schönheitsideale, kein Drehbuch und keine Regelungen – es muss nicht einmal zum Geschlechtsverkehr kommen. Die Akteure entscheiden frei, wie weit sie gehen wollen und können am Ende des Drehs bestimmen, ob der Film überhaupt veröffentlicht werden soll. Der Ex-Opernstar setzt auf Licht und Schatten-Effekte und lässt Pornos zu Kunst werden. Simonians Clips dauern zwischen sieben und sechzig Minuten bei Preisen von zwei bis zehn Euro. Sie sind auf der Seite „Arthouse Vienna“ zu kaufen und reihen sich in eine Gruppe von Pornofilmen anderer FemPorn- Produzentinnen ein.

Alle Filme auf der Seite haben einen feministischen Hintergrund. Die Künstlerinnen möchten mit ihren Aufnahmen zeigen, dass Pornos anders sein können und nicht nur Männern vorbehalten sind. Auch ein politischer Aspekt findet sich in solchen Projektne, denn sie unterstützen nicht nur den feministischen Aufruf zu mehr Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern, sondern plädieren auch für eine neue Selbstdarstellung der Frauen in der Gesellschaft. Sie sollen nicht nur zu sich, sondern auch zu ihrer Lust, ihren Vorlieben und ihren Fantasien stehen.

„Feministisch bedeutet für mich, dass ich das ganze aus der Sicht einer Frau, aus meiner Sicht angehe. Geschlechtsteile in Nahaufnahme zu zeigen, ist fad. Jeder weiß ja, wie das aussieht. Mich interessieren mehr die Psychologie der Sexualität und der authentische Selbstausdruck beim Sex“. (Simonian im futurezone-Interview)

Dass die ästhetischen Filmchen nicht nur Frauen ansprechen, zeigen die Besucherstatistiken. Tatsächlich ist ein Großteil der Zuschauer Männer. Kann dies also der Anfang einer großen Wende sein, in der auch Männer den Körper einer Frau sanfter, bewusster und respektvoller wahrnehmen?

Hinter den Kulissen eines Neuzeit-Pornos

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