May 19 2017

Diese Frau schrieb ein Buch – mit ihrem Vergewaltiger

1996 kam Tom Stranger als Austauschschüler nach Island. Dort lernte der 18jährige Australier die zwei Jahre jüngere Thordis Elva kennen und kam mit ihr zusammen. Als Thordis auf dem Weihnachtsball ihrer Schule zu viel trank geschah das Unglück. Tom brachte sie nach Hause und vergewaltigte sie dort zwei Stunden lang. „Seit dieser Nacht weiß ich genau, dass zwei Stunden 7200 Sekunden haben.“ , so Thordis.

Zwei Tage nach dem Vorfall kam er vorbei, um mit ihr Schluss zu machen und kehrte dann zurück in seine Heimat. Er ließ ein Mädchen zurück, das zu schüchtern und ängstlich war, um zur Polizei zu gehen und stattdessen den Schmerz in Alkohol ertränkte, begleitet von Selbsthass und Essstörungen.

Sie litt neun Jahre bis sie erkannte, dass es so nicht weiter gehen konnte und schrieb ihrem Vergewaltiger eine E-Mail. "Ich wollte, dass er Verantwortung übernimmt. Ich hatte keine große Hoffnung, dass dabei etwas herauskommt. Aber ich musste das tun, für mich selbst", erklärt Thordis. Die Journalistin hat sich viel mit sexueller Gewalt befasst und sich dafür entschieden, ihrem Schmerz ins Auge zu blicken, um ihn zu überwinden. Stranger antwortete auf ihre E-Mail und gestand seinen großen Fehler: "Ich dachte damals: Wenn ein Junge mit einem Mädchen auf eine Party geht, hat er ein Recht darauf, Sex zu haben. Es hat lange gedauert, bis ich verstanden habe, was ich angerichtet habe. Es war nichts anderes als Vergewaltigung."

Nach jahrelangem Schriftverkehr trafen sich die beiden in Kapstadt und sprachen sich aus – eine Woche lang. Aus diesem Treffen wurde etwas Außergewöhnliches, denn die zwei veröffentlichten ein Buch, um auf sexuelle Gewalt aufmerksam zu machen. Jedes Opfer geht anders mit seinem Schmerz gefunden und Thordis hat ihren Weg gefunden. Sie musste ihrem Peiniger in die Augen sehen und ihm vergeben, um Frieden zu finden: "Die Leute denken immer, dass du dem Täter etwas gibst, wenn du ihm vergibst. Meiner Meinung nach ist es aber das genaue Gegenteil. Vergeben ist etwas für mich selber. Damit konnte ich Scham und Selbstmitleid loswerden, die mein Leben kaputtgemacht haben."

Die beiden touren mit ihrem Buch „South of Forgiveness" („Süden des Vergebens“) durch die Welt und lösen immer wieder Erstaunen, Empörung und sicher auf Verwunderung aus. Thordis Elva hat Stärke bewiesen und etwas geschafft, was viele Vergewaltigungsopfer nicht schaffen. Sie ist mit sich ins Reine gekommen und hat sich ihrer Vergangenheit gestellt. Wie, eröffnet sie in ihrem Buch – gemeinsam mit ihrem Vergewaltiger.

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