Apr 11 2018

Warum das Scheitern der Technik von Vorteil ist

Smartere Menschen statt smartere Technik“, so ist das Motto der Cyborg-Anthropologin Amber Case. In einem Interview mit WIRED machte sie ganz deutlich klar, dass die Zukunft nicht in technologischen Innovationen liegt, auch nicht in künstlicher Intelligenz, sondern ausschließlich in der sogenannten „Calm Technology“, also „ruhigen Technik“. Der Hauptfokus ihrer Theorie, die in ihrem Buch „Calm Technology: Principles and Patterns for Non-Intrusive Design“ ausführlich dargelegt wird, liegt auf einer symbiotischen Koexistenz von Mensch und Technik.

Laut Case ist das große Problem in heutiger Zeit, dass Menschen mehr von der Technologie abhängig sind, als andersherum. „Ich will keinen smarten Futternapf, der meine Hunde und Katzen verhungern lässt, wenn die Internetverbindung abbricht.“, nennt sie als Beispiel. Technik muss so entwickelt werden, dass sie „elegant scheitern“ kann, so wie eine Rolltreppe, die bei einer Störung zu einer normalen Treppe wird. Dafür entwickelte Case die Idee der „Calm Technology“.

Das Prinzip dahinter ist, dass Probleme mit so wenig technologischer Mithilfe angegangen werden, wie nur möglich, aber eben genau so viel, wie nötig. Ein gutes Beispiel sind dafür der automatische Staubsauger Roomba, der per Knopfdruck aktiviert wird und dann automatisch Staub saugt oder „smarte“ Wasserhähne, die die Wassertemperatur per LED-Farbe visualisieren. Diese Technologien erleichtern auf unkomplizierte Weise tägliche Vorgänge, machen sie aber nicht unlösbar, wenn die Technik ausfällt.

Das perfekte Beispiel für die angestrebte Symbiose zwischen Mensch und Maschine ist ein handelsüblicher Hammer. Er kann uns den ganzen Tag begleiten, wenn man will, aber er wird Aufgaben erst dann angehen, wenn der Besitzer ihn in die Hand nimmt und die geplanten Vorgänge „anleitet“ - ein Werkzeug, dass dem Besitzer gehört, statt der heutigen Technologie, die den Besitzer dazu „versklavt“, unendlich viel Energie und Aufmerksamkeit in das Gerät zu investieren, statt es einfach zu „nutzen“.

Letztendlich warnt Case - anders als viele andere - nicht davor, dass die künstliche Intelligenz rebellieren und die Menschheit vernichten wird, sondern dass wir uns durch das Erschaffen von technologischen Wunderwerken, die unsere Arbeiten übernehmen können, selbst unterjochen – denn sollte die besagte Technologie, von der wir abhängig geworden sind, einmal ausfallen, wird sie zu einem überflüssigen Haufen Schaltkreise, statt wie eine Rolltreppe, ein alternativ nutzbares Werkzeug zu bleiben.

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