Jun 28 2018

Warum Sie im Urlaub keine Fotos machen sollten

Natürlich ist es toll, nach dem Urlaub in den Fotos zu stöbern und sich noch einmal in die Sonne, an den Strand oder auf die Luftmatratze im Pool zu träumen. Dumm ist nur, dass man sich gar nicht mehr recht an das Gefühl des Wasser an den Zehen oder die angenehme Wärme der Sonnenstrahlen erinnern kann – man war zu dem Zeitpunkt nämlich zu sehr damit beschäftigt, ein perfektes Foto zu knipsen. Im Hinblick auf dieses Paradoxon stellt sich doch die Frage, was wichtiger ist: Die Erinnerung, die eigentlich keine ist, oder der Moment?

In Zeiten der Digitalkameras und Smartphones ist Fotografieren zu etwas alltäglichem, ja beiläufigem geworden. Jeder Moment, jede zweite Mahlzeit und das „Outfit of the day“ werden nicht nur einmal, sondern in vielfacher Ausführung festgehalten, um dann die beste Version in sozialen Netzwerken weiterzuverbreiten - je mehr Likes desto besser. 

Besonders Urlaubsfotos kommen gut an, wobei sie keine Spontanaufnahmen sind, sondern eine Menge Arbeit. Das Outfit muss stimmen, der Hintergrund auch und das Ganze darf auf keinen Fall gestellt aussehen. Mit den passenden Filtern und Hashtags kann das Foto dann der Netzwelt präsentiert werden, denn darum scheint es heutzutage zu gehen.

Was dabei auf der Strecke bleibt, ist der Moment an sich, der Genuss für die Augen, die in die Ferne blicken und die Auszeit für den Atem, der die frische Luft einsaugt. Diese Annehmlichkeiten für Körper und Seele stehen auf Reisen der Generation Y aber aber nicht mehr ganz oben auf der Liste – und das ist schade oder?Den Ausblick genießen, ohne gedanklich den besten Winkel auszumessen, scheint kaum noch möglich zu sein und deshalb ist den Opfern dieses Fotowahns anzuraten, Kamera und Handy öfter Zuhause zu lassen.

Oft werden tausende von Aufnahmen gemacht, von denen am Ende nur wenige gezeigt oder veröffentlicht werden. Dass die ganze Arbeit größtenteils umsonst ist und der Speicher des Handys unnötig ausgereizt wird, stört nicht weiter – sollte es aber. Schließlich lebt ihr nicht für die Anerkennung anderer, sondern für euch. Und besonders im Urlaub sollte euer Wohlergehen an erster Stelle stehen.

Als Maude Frieh, Redakteurin für das Magazin Huffingtenpost, sich im Urlaub dabei erwischte, wie sie Schnappschuss nach Schnappschuss aufnahm, wurde ihr klar, dass sie nicht besser ist als all die „Handysuchtis“, die sie sonst so verurteilte:

Und plötzlich wurde mir klar, dass ich wie alle Menschen bin, die im Kino oder im Restaurant mit ihren Freunden ständig auf ihr Handy starren und dabei die Realität, die sich vor ihren Augen abspielt, verpassen. Vielleicht gehörst Du auch dazu?[...] Oder, sogar schlimmer, wie alle diejenigen, die auf einem Konzert zum Handy greifen, wenn ihr Lieblingssong kommt. Ich habe es ein paar Mal auch gemacht und es jedes Mal bereut. Es verdarb mir komplett den Augenblick, den ich gerade erlebte.

Wie wäre es mal mit analogen Fotos?

Wenn ihr euch absolut nicht vorstellen könnt, ganz ohne fotofähiges Gerät zu neuen Zielen aufzubrechen, könnt ihr euch entweder auf ein paar medienlose Tage einigen (ja, die Reisebegleitung muss natürlich mitmachen) oder eine analoge Kamera mitnehmen. Falls ihr euch nicht mehr an die erinnern könnt: Das waren die Kameras mit Film und begrenzter Anzahl an Aufnahmen. Zu Zeiten unserer Eltern lief das Fotografieren noch anders ab – besser! Für die Aufnahmen wurde sich besonders viel Mühe gegeben, denn jedes Foto kostete Geld und am Ende vom Urlaub wurden die Auszüge mit Spannung erwartet – ein Gefühl, das die Jugend von heute nicht mehr kennt. 


Wenn dann eine Aufnahme nichts geworden ist, weil Mutter gerade zur Seite schaut oder der Hund durchs Bild rennt, war das zwar erst ärgerlich, ein paar Jahre später aber amüsant. Solche Schnappschüsse wurden nicht gelöscht äh weggeworfen, sondern ins Fotoalbum geklebt (kennt ihr?). Alle Jahre wieder wurde das gute Album dann herausgekramt und die alte Zeit zurück geholt. Heute wären auf dem Stick oder der Speicherkarte dreißig Fotos vom Meer und fünfzig von Palmen – nicht sehr spannend. 


Ihr merkt, analoge Aufnahmen sind etwas ganz besonderes, denn sie leben ewig (wenn ihr darauf acht gebt) und es gibt keine Wiederholungen. Nur die wichtigsten Momente wurden festgehalten und genau so sollte es auch sein. Schließlich will man sich erinnern können – aber eben auch den Moment genießen. Mit einer einfachen Kamera (gibt es auch günstig als Einwegkamera) könnt ihr beides – und der Urlaub wird trotzdem gut. Versprochen! 

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